Unterversicherungsverzicht

Unterversicherungsverzicht Im Zusammenhang mit der Hausratversicherung taucht immer noch ab und an der Begriff Unterversicherung bzw Unterversicherungsverzicht auf. Die Versicherer sind aufgrund der heute üblichen Tarifierung weitestgehend davon abgekommen. Dennoch, um was es sich bei der Unterversicherung handelt, wollen wir hier kurz erläutern.

Weiterführende Ratgeber findest du hier: Hausratversicherung

Hier erfährst du:
  • was ein Unterversicherungsverzicht ist
  • was eine Unterversicherung bedeutet
  • wie man die Entschädigung berechnet
  • was eine Überversicherung ist

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Prämienberechnung für die Hausratversicherung

Es gibt zwei Methoden, den Wert Deines Hausrates und damit die Versicherungssumme zu ermitteln. Der Standard funktioniert über die Quadratmetermethode. Die Versicherer gehen davon aus, dass der Hausrat einen gewissen Wert pro Quadratmeter hat. Je nach Gesellschaft und Tarif bewegt sich diese Zahl zwischen 600 und 700 Euro. Neben dieser Berechnungsgrundlage spielt auch die Postleitzahl bei der Prämienermittlung eine Rolle.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat Deutschland in fünf Tarifzonen unterteilt. Diese berücksichtigen beispielsweise die Häufigkeit von Stürmen mit einer Windstärke von mehr als acht oder die Anzahl der Wohnungseinbrüche. Mit dieser Grundprämie multipliziert der Versicherer die Versicherungssumme pro Quadratmeter. Dann multipliziert mit der Anzahl der Quadratmeter der Wohnung ergibt sich der Beitrag.

Bei der Antragstellung wird einfach die Zahl der Quadratmeter eingegeben, das Programm ermittelt automatisch die Versicherungssumme, und darauf aufbauend die Prämie. Bei dieser Vorgehensweise verzichtet der Anbieter automatisch auf die Klausel der Unterversicherung.

Die andere Möglichkeit zur Ermittlung der Versicherungssumme setzt einen Taschenrechner voraus. Als Versicherungsnehmer musst Du den Wert aller Gegenstände deines Hausrates, vom Bett über den Fernseher zu den Socken im Kleiderschrank und der Butter im Gefrierfach, zusammenrechnen. Diese Vorgehensweise hat zwei Nachteile:

  • Die Versicherungssumme ändert sich täglich durch den Verbrauch oder Zukauf von Lebensmitteln.
  • Setzt Du den Wert zu niedrig an, kommt es zu einer Unterversicherung.

Daraus wird ersichtlich, worum es sich bei der Unterversicherung handelt: Die Versicherungssumme liegt unter dem tatsächlichen Wert des Hausrats. Was sind die Folgen?

Was ist der Unterversicherungsverzicht? Um die Frage, was der Unterversicherungsverzicht eigentlich ist, müssen wir das Pferd von hinten aufzäumen und erläutern, worum es sich bei einer Unterversicherung handelt.

Die Ermittlung der Entschädigung

Angenommen, Du kommst nach Hause und aus der Waschmaschine ist, wie es so schön im Versicherungsdeutsch heißt, „bedingungswidrig Leitungswasser ausgetreten“. Der Schaden am Hausrat beläuft sich auf 10.000 Euro. Deine Hausratversicherung hast Du mit einer Versicherungssumme über 30.000 Euro abgeschlossen.

Bei einem Schaden in Höhe von 10.000 Euro gibt sich der Versicherer jedoch nicht mit ein paar Fotos zufrieden, sondern schickt einen Gutachter. Dieser bestätigt den Schaden in Höhe von 10.000 Euro, stellt allerdings auch fest, dass der tatsächliche Wert Deines Hausrats 40.000 Euro beträgt.

Dieser Sachverhalt führt zu einer Quotierung des Schadens in der Höhe, in der die Versicherungssumme vom tatsächlichen Wert abweicht. Deine Versicherungssumme beträgt in unserem Beispiel 75 Prozent des tatsächlichen Wertes Deines Hausrates. Folglich erhältst Du 75 Prozent des entstandenen Schadens, 7.500 Euro, ersetzt. Besteht ein Unterversicherungsverzicht, leistet die Versicherung die vollen 10.000 Euro. Die Formel für die Ermittlung der Versicherungsleistung bei Unterversicherung lautet:

( Schadenshöhe * Versicherungssumme ) / Tatsächlichen Wert des Hausrates

Die Folgen bei Totalverlust

Richtig bitter wird eine Unterversicherung bei einem Totalschaden, beispielsweise durch Feuer. Im Laufe der Jahre steigt bei den meisten Menschen der Wert des Hausrates. Die Quadratmeterregelung berücksichtigt dies. Angenommen, Du besitzt noch einen sehr alten Versicherungsvertrag, der seinerzeit auf dem tatsächlichen Wert Deines Hausrats erstellt wurde, möglichst zu Beginn Deiner Berufstätigkeit. Tatsächlich hatte Dein Hausrat damals einen Wert von 25.000 Euro, Du lebtest in einer Zweizimmer-Wohnung. Inzwischen bist Du verheiratet, hast Kinder, lebst in einem Reihenhaus mit 120 Quadratmeter Wohnfläche. Dein Hausrat hat inzwischen einen Wert von 80.000 Euro. Die Versicherungssumme läge folglich zwischen 72.000 Euro und 84.000 Euro. Durch einen Brand ist Dein Hausrat völlig zerstört. Folgen wir der obigen Formel, läge der Erstattungssatz bei (72.000 Euro * 25.000 Euro) / 80.000 Euro = 22.500 Euro. Der Unterversicherungsverzicht hätte eine vollständige Regulierung bedeutet. Auch dann, wenn Dein Hausrat einen Wert von 90.000 Euro gehabt hätte.

Fahrrad und Wertsachen

Die pauschalierte Quadratmeterregelung ist nicht nur wesentlich komfortabler bei der Ermittlung der Versicherungssumme, sie bietet Dir auch die Gewissheit, dass Du im Schadensfall vollen Ersatz bekommst. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen. Fahrräder und Wertsachen sind nur mit einem Basisbetrag abgesichert, können aber prozentual im Wert an die Versicherungssumme angepasst werden.

Nehmen wir an, Dein Fahrrad kostet 3.000 Euro, Dein Versicherungsvertrag sieht eine Absicherung bis zu einer Höhe von fünf Prozent der Versicherungssumme vor, in diesem Fall 1.500 Euro. Damit die Versicherungsgesellschaft den vollen Wert ersetzt, musst Du das Fahrrad mit zehn Prozent der Gesamtsumme in den Vertrag einschließen. Die steigende Zahl der Fahrraddiebstähle zeigt, dass Du dieses Risiko nicht unterschätzen solltest:

Anzahl Fahrraddiebstähle

Das gleiche Muster gilt auch für „Wertsachen“, Schmuck, Münzen, Teppiche, Gobelins oder Sparbücher und Wertpapiere.

Die Unterversicherung in der Wohngebäudeversicherung

Bis vor einigen Jahren wurde die Prämie nach dem sogenannten 1914er-Wert ermittelt. Dieser ist ein Index, der jedes Jahr erneut festsetzt, wie viel der Neubau eines Hauses auf der Grundlage der Gestehungsaufwendungen zum gleitenden Neuwert von 1914 kostet.

Vor dem Hintergrund, dass heute Materialien zum Einsatz kommen, die es zu dieser Zeit noch nicht gab, konnte der 1914er-Wert nicht in dem Maße bereinigt und angepasst werden, wie es notwendig wäre. Das Risiko der Unterversicherung bei einer Wohngebäudeversicherung lag damit deutlich über dem bei einer Hausratversicherung. Bis in die 80iger Jahre war es nicht unüblich, den Unterversicherungsverzicht gegen einen Mehrbeitrag einzuschließen.

Wohngebäudeversicherungen werden heute fast analog zu einer Hausratversicherung, über die Quadratmeterzahl ermittelt. Dabei unterteilen die Versicherer neben den oben erwähnten Tarifzonen auch nach der Bauart des Gebäudes und der Bauausführung. Drei Merkmale kommen dabei infrage:

  • Einfache Ausführung
  • Normale Ausführung
  • Gehobene Ausführung

Gibst Du als Hausbesitzer eine normale Ausführung an, hast aber den Boden mit Carraramarmor ausgelegt und verfügst über eine Fußbodenheizung, ist eine Unterversicherung wahrscheinlich. Eine Überversicherung käme zum Tragen, wenn Du als Ausstattung eine gehobene Ausführung angibst. Der Fußboden wurde jedoch mit Linoleum ausgelegt und die Fenster weisen nur eine einfache Verglasung auf.

Im Gegensatz zur Unterversicherung hat eine Überversicherung jedoch keine rechtlichen Konsequenzen für den Versicherungsnehmer. Sie ist einfach nur ärgerlich, weil er eine höhere Prämie bezahlt als notwendig wäre.

Fazit

  • Eine Unterversicherung besteht dann, wenn der tatsächliche Wert der zu versichernden Sachen die vereinbarte Versicherungssumme übersteigt.
  • Neben der Hausratversicherung kann dies auch die verbundene Gebäudeversicherung und eine Geschäftsinhaltsversicherung betreffen.
  • Eine sogenannte pauschale Risikodeklaration, eine pauschalierte Versicherungsleistung pro Quadratmeter, vermeidet eine Unterversicherung.
  • Die Versicherungswirtschaft schließt in diesem Fall die Klausel des Unterversicherungsverzichtes automatisch in den Vertrag ein.
  • Für Fahrräder und Wertsachen kann trotz einer pauschalen Wertermittlung eine Unterversicherung bestehen. Diese kann der Versicherungsnehmer durch eine prozentuale Erhöhung dieser beiden Risiken ausgleichen.
  • Bei der verbundenen Wohngebäudeversicherung spielt neben der Quadratmeterzahl bei der Festsetzung der Versicherungssumme auch die Bauausführung eine Rolle.

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